Züchterfahrt Tschechien

 

Züchterfahrt nach Tschechien

 

Die diesjährige Züchterfahrt führte die deutschen Simmentalzüchter, sowie Züchter aus Österreich, Schweiz und Irland gemeinsam nach Tschechien. Die bereits zur angenehm gewordenen Tradition setzte sich somit in diesem Jahr fort. Drei hochkarätige Zuchtbetriebe, die Besichtigung einer Prüfstation mit Körung und anschließender Auktion, sowie ein ansprechender Kulturteil standen auf dem Plan.

 

 

Nach dem Zusammentreffen aller Reisegäste aus den weiteren Ländern begleitete uns Kamil Malat (Vorsitzender Fleischrinderverband) dankenswerterweise als Organisator, Dolmetscher und Reiseleiter. Hierfür nochmals vielen Dank!

 

Als eine der ersten Höhepunkte der Reise durften wir der Körung und Auktion der insgesamt 55 Simmentalbullen in der privat geführten Station „Chunkov“ beiwohnen. Interessant hierbei, der Besitzer der Prüfstation ist sowohl Beschicker als auch der Auktionator, welches Amt er sehr leidenschaftlich und emotional (insbesondere bei seinen eigenen Bullen) wahr nahm. Spitzenbullen z.B. einen Lykke Damask PP Sohn (V.: Atlantis) konnte er für umgerechnet etwa 4000 Euro an den Mann bringen. Der Durchschnittspreis der verkauften Bullen lag bei ca. 3000 Euro. Viele international klangvolle Namen fanden sich in den Pedigrees der Verkaufstiere. Unter anderem Vererber wie: United, Supery, Dixi, August, Leon, O. Prince, Prima oder Vilhelm und uns allen wurde hier schnell klar, die tsch. Simmentalzucht orientiert sich an internationaler, vor allem dänischer Genetik.

 Bullenpräsentation

Präsentation der Bullen vor der Auktion

 

Stationsprüfung

Für den Deckeinsatz können nur geprüfte Bullen (Station oder Feld) in den Einsatz gehen, somit nehmen die Eigenleistungsprüfstationen einen hohen Stellenwert in der Leistungsprüfung ein.

Über das Land verteilt findet man mehrere Prüfstationen zum Teil in privater Hand oder in Besitz von Besamungsstationen. Im Alter von 6-7 Monaten werden die Absetzer eingestallt und es erfolgt eine 5-monatige Prüfung. Angestrebt wird hierbei ein eher moderates Prüfniveau mit Prüftageszunahmen von 1600g-1700g. Als wesentlicher Effekt der Stationsprüfung wird hier die einheitliche Aufzucht und die damit gegebene Vergleichbarkeit der Bullen gesehen. Ca. 60-70% der Zuchtbullen werden in Stationen geprüft, der Rest im Feld.

Zur Leistungsprüfung (Station und Feld) zählen unter anderem ein 3-maliges Wiegen der Tiere (120, 210, 365 Tage). Zusätzlich werden in der Station Prüftageszunahmen, Rückenmuskelfläche und der Hodenumfang ermittelt. Die Kosten für die Stationsprüfung liegen zwischen 800 und 1000 Euro je Tier. Die nach erfolgreicher Prüfung und Körung verkauften Tiere finden ihre Käufer vorwiegend im Bereich der Mutterkuhhalter. Der Aufwurfpreis auf Auktionen wird vom Züchter bestimmt und richtet sich meist nach dem Körergebnis.

 

 Blick in eine Prüfstation

Blick in eine Prüfstation

 

Exterieur und Zuchtwert

Die Exterieurbewertung der Fleischrinder in Tschechien ist im Vergleich zu dem deutschen System (Noten für Typ, Bemuskelung, Skelett) deutlich umfangreicher und kann in drei Hauptkomplexe unterteilt werden:

  • Rahmen (Größe, Länge, Gewicht)
  • Körper (Brustbreite, Brusttiefe, Becken)
  • Bemuskelung (Schulter, Rücken, Keule)

Weiterhin wird eine Typnote vergeben, in der Skelett und die Harmonie Einfluss finden.

Für jedes einzelne Merkmal erfolgt eine Bewertung auf einer Skala von 1 bis10. Somit ergibt sich für jedes Tier eine Exterieurgesamtpunktzahl von max. 100 Punkten. Sehr gute Bullen erreichen Werte über 80. Oto oder Tuareg können hier als bekannte KB Simmentalbullen mit hohen Einstufungen glänzen.

Aus dieser linearen Bewertung am Tier werden mittels der Nachkommenprüfung Zuchtwerte für das Exterieur ermittelt. Weiterhin werden Zuchtwerte für mat. und pat. Kalbeverläufe und mat. und pat. Wachstumsleistungen ausgegeben. Somit stehen dem Züchter viele hilfreiche Kriterien zum Vererbereinsatz bereit, welche einen hohen Zuchtfortschritt erwarten lassen.

 

Betriebsbesichtigungen

Zu Beginn stand hier die kleine aber feine Zuchtherde von Frantisek Kolar (Vodnansky) auf dem Programm. Mit 35 ha und 18 Zuchtkühen der kleinste der besichtigten Zuchtbetriebe. Die vorgestellten Kühe konnten fast durchweg mit sehr viel Rahmen und Wuchs überzeugen. Die Herde wurde durch den Zukauf von nur zwei kanadischen Färsen gegründet und aufgebaut. Später kamen internationale Vererber zum Einsatz, wie z.B.: Rocky, Gorm, Atlantis, Sirius, Milnafua Gratuate oder eigen gezogene Bullen. Seit 1996 wurden von den 144 im Betrieb geborenen Bullen 122 zur Zucht verkauft. Hierunter auch einige KB Bullen: Narodni Vitez P (V.: Milnafua Gratuate), Oidipus P (V.: Sirius), Siven PP (V.: Atlantis) und auch Rinaldi(V.: Narodni Vitez),welcher in Deutschland besser als Mayor Sky bekannt ist. Ein weiterer homozygot hornlos getesteter Atlantis Sohn wird wohl den Weg in eine deutsche Besamungsstation einschlagen. Mit viel Stolz präsentierte uns Herr Kolar auch die Mutter von Major Sky. Eine mittelrahmige, korrekte Gorm-Tochter mit passendem Euter.

 

 

Teil der Zuchtherde von Frantisek Kolar

 

Simmental verbindet: v.l.n.r.: Tobias Petzenberger,

Züchter BS „Franzi“, V.: Major Sky; Frantisek Kolar, Züchter Major Sky; Gerard Brickley,

Preisrichter Bundesschau Berlin

 

 

Der nächste Betrieb hielt für uns eine andere, uns weniger bekannte Unternehmensform bereit. Ein Betrieb dessen Eigentümer die Stadt Kasperske Hory ist. Mit frischem Frühjahrsgrün, in der Region Pilsen im Gebirgsvorland des Böhmerwaldes gelegen, präsentierte sich der Betrieb hervorragend. 800 ha mit 330 Kühen und davon ca. 100 Fleckvieh kennzeichnen die Größe des Unternehmens. Nicht nur der sehr moderne, neu erbaute Mutterkuhstall, sondern auch die Herden mit den eingesetzten Bullen wussten zu überzeugen. Drei Altbullen bleiben hier besonders in Erinnerung: Siven PP (V.: Atlantis) im Arbeitskleid, der hervorragende Typbulle Vestermolle Don Leon P (V.:Leon PP) und der bestens bemuskelte Lykke Brumme (V.: Supery).

Auch hier beruht die Herdengenetik auf dem Zukauf kanadischer Färsen, welche mit dänischer Genetik angepaart wurden. Als Unternehmensziele wurden uns die Erhaltung der Kulturlandschaft, Schaffung von Arbeitsplätzen in der Region und natürlich die Zucht und der Verkauf von hochwertigen Zuchttieren genannt.

 

Lykke Brumme

Fleckviehbulle 

Der dritte Zuchtbetrieb war die Farm der Familie Barton in Leznice. Als ökologisch geführter Grünlandbetrieb erwarteten uns hier 50 Kühe. Auch in diesem Betrieb bildeten kanadische Importtiere, vorwiegend angepaart mit dänischer Genetik, die Basis der Zucht. In den Herden waren auch einige wenige deutsche Tiere zu sehen. Der ebenso in Deutschland eingesetzte Bulle Oto, einer der Bullen mit dem höchsten Zuchtwerten und Exterieurbewertung in Tschechien, wurde in diesem Betrieb gezogen. Nicht zuletzt durch den Einsatz dänischer Genetik zeigten die vorgestellten Kühe viel Typ und Rahmen. Mit Lango Delfa (V.: M. Impuls) befand sich ein Rahmenvererber und mit Lykke Alfred (V.: Sirius) ein fleischbetonter Herdenbulle im Deckeinsatz. Die Nachkommen beider Bullen konnten überzeugen.

 

Insgesamt kann die Züchterfahrt bei guter Stimmung und hervorragendem Frühlingswetter als absolut gelungen bezeichnet werden. Ein vielfältiger Erfahrungs- und Meinungsaustausch, die tschechische Landschaft und Kultur, sowie die vielen guten Fleckviehtiere trugen hierzu bei.

Bilder: G. Pohl

Text: Tobias Petzenberger

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Sunday the 31st. Tobias Petzenberger